Wie wichtig ist Social Media für Gastronomiebetriebe heute?

Eine Einordnung zwischen Gästesuche, Bewertungen und Realität

Eine Frage, die viele beschäftigt
Diese Frage höre ich regelmässig. Von Restaurantbetreibern, von Verantwortlichen in Bars, Hotels und in der Gemeinschaftsverpflegung. Oft leise gestellt, manchmal mit Skepsis, gelegentlich mit Widerstand. Und fast immer mit einem Unterton von Unsicherheit.


Die ehrliche Antwort lautet nicht Ja und auch nicht Nein. Die entscheidendere Frage ist eine andere: Verstehen Sie, was soziale Medien heute für Ihre Gäste bedeuten?


Was Social Media heute wirklich ist
Social Media ist längst kein Selbstzweck mehr. Es ist kein Spielplatz für Selbstdarstellung und auch kein Ersatz für gute Küche oder guten Service. Für viele Gäste ist es ein Orientierungssystem. Ein digitales Schaufenster. Ein erster Eindruck, noch bevor jemand Ihre Website besucht oder bei Ihnen anruft.


Wer heute einen Gastronomiebetrieb sucht, tut dies häufig mobil. Auf Google Maps, auf Instagram, zunehmend auch auf TikTok. Nicht aus Neugier, sondern aus einem konkreten Bedürfnis heraus. Wo gehe ich heute essen. Wie ist die Atmosphäre. Passt das zu mir. Ist das glaubwürdig.


Wie Gäste heute suchen
Gerade jüngere Gäste suchen visuell. Sie wollen sehen, wie ein Ort wirkt. Wie es sich anfühlt, dort zu sein. Bilder, kurze Videos und echte Eindrücke ersetzen für sie lange Texte. Das ist keine Modeerscheinung, sondern ein verändertes Suchverhalten.


Die mittlere Generation kombiniert. Sie liest Bewertungen, schaut Bilder an und besucht allenfalls noch die Website. Ältere Gäste orientieren sich stärker an Empfehlungen, klassischen Rezensionen und persönlichen Erfahrungen. Doch auch hier hat sich etwas verschoben. Selbst Gäste, die nicht aktiv auf sozialen Medien unterwegs sind, nehmen deren Wirkung wahr. Über Google Bewertungen, über geteilte Inhalte, über Gespräche.


Generationen und Mediennutzung
Gäste sind keine homogene Gruppe. Alter, Lebensphase und Mediennutzung beeinflussen, wie Gastronomiebetriebe wahrgenommen und ausgewählt werden. Begriffe wie Generation Z, Millennials oder Babyboomer helfen nicht, Menschen in Schubladen zu stecken, sondern Muster zu erkennen.


Die Generation Z orientiert sich stark visuell und mobil. Kurze Videos, Bilder und spontane Eindrücke prägen ihre Entscheidung. Plattformen wie Instagram und TikTok dienen weniger der Unterhaltung als der schnellen Orientierung. Authentizität ist wichtiger als Perfektion.


Millennials bewegen sich zwischen Erlebnis und Information. Sie nutzen soziale Medien, lesen Bewertungen und erwarten Transparenz. Instagram, Google Bewertungen und Websites werden kombiniert. Storytelling, Haltung und Nachhaltigkeit spielen für diese Generation eine zentrale Rolle.


Die Generation X legt Wert auf Verlässlichkeit und Effizienz. Sie nutzt digitale Kanäle gezielt, häufig über Google Suche, Google Maps und Bewertungen. Social Media dient eher der Information als der Inspiration.


Babyboomer verlassen sich stärker auf persönliche Empfehlungen, klassische Bewertungen und eigene Erfahrung. Digitale Medien werden genutzt, aber selektiv. Vertrauen entsteht über Kontinuität, Servicequalität und Glaubwürdigkeit.


Diese Einteilung ist keine starre Schablone. Übergänge sind fliessend, Lebensstile oft entscheidender als Geburtsjahre. Sie hilft jedoch zu verstehen, warum ein Betrieb heute auf mehreren Kanälen präsent sein sollte, ohne überall gleich aktiv zu sein.


Social Media als Schaufenster
Soziale Medien sind damit weniger Bühne als Schaufenster. Sie zeigen nicht, wie gut sich ein Betrieb inszenieren kann, sondern wie stimmig er wirkt. Ob das, was versprochen wird, auch gehalten wird. Authentizität schlägt Perfektion.


Ein gepflegtes Profil, aktuelle Bilder und nachvollziehbare Informationen schaffen Vertrauen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Bewertungen gehören zur Realität
Ein zentrales Thema in diesem Zusammenhang sind Bewertungen. Rezensionen gehören heute zur Realität der Gastronomie. Man kann sie ignorieren oder man kann lernen, mit ihnen umzugehen.


Gute Betriebe warten nicht passiv auf Bewertungen. Sie fordern sie bewusst ein. Nicht aggressiv und nicht aufdringlich, sondern als Teil eines offenen Dialogs mit ihren Gästen.


Der Umgang mit Kritik
Der Umgang mit kritischen Bewertungen ist entscheidend. Eine schlechte Rezension ist kein Angriff, sondern eine Rückmeldung. Wie ein Betrieb darauf reagiert, sagt oft mehr aus als die Bewertung selbst.


Sachlich, respektvoll und lösungsorientiert. Ohne Rechtfertigung und ohne Schuldzuweisung. Das ist Führungsarbeit und Teil moderner Betriebsführung.


Präsenz mit Sinn statt Aktivität um jeden Preis
Niemand muss täglich posten. Niemand muss sich verbiegen oder inszenieren. Es geht nicht um Aktivität um jeden Preis, sondern um Präsenz mit Sinn.


Ein klar gepflegter Auftritt, echte Einblicke und ein professioneller Umgang mit Rückmeldungen reichen in vielen Fällen aus. Social Media ersetzt keine gute Gastronomie. Aber es zeigt sehr schnell, ob sie existiert.


Was das für Planung und Betrieb bedeutet
Aus Sicht der Planung und Beratung gehört diese Wahrnehmungsebene heute dazu. Gastronomie wird nicht nur gebaut und betrieben, sie wird auch wahrgenommen. Wer investiert, umbaut oder neu startet, sollte diese Realität kennen und einordnen können.


Ein persönliches Fazit
Soziale Medien ersetzen keine gute Gastronomie. Aber sie zeigen sehr schnell, ob sie da ist.


Wenn Sie sich fragen, wie Ihr Betrieb heute wahrgenommen wird oder ob Ihr Auftritt zur Realität Ihres Angebots passt dann lohnt sich ein neutraler Blick von aussen.
Nicht mit dem Ziel, mehr zu posten. Sondern mit dem Ziel, klarer wahrgenommen zu werden.


Über den Autor und GEMASY
Daniel Marbot ist unabhängiger Gastroexperte und Generalplaner mit über 30 Jahren Erfahrung in Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Er begleitet Bauherren, Betreiber, Investoren und Architektinnen und Architekten bei der Entwicklung, Planung und Optimierung von Gastronomiebetrieben im gesamten DACH Raum.


Mit der GEMASY GmbH steht er für funktionierende Konzepte, klare Abläufe und wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Der Fokus liegt nicht auf Trends oder Selbstdarstellung, sondern auf Betrieben, die im Alltag funktionieren. Betrieblich, wirtschaftlich und glaubwürdig.


Weitere Informationen, Fachartikel und Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter:
www.gemasy.ch oder fragen sie direkt Daniel Marbot unter daniel.marbot@gemasy.ch

 

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